Als ich vor zwanzig Jahren nach Deutschland kam, war das Bild von
Koreaner:innen hier noch stark von exotischen Vorstellungen geprägt:
Menschen mit Reishüten, die auf Feldern arbeiten. Ich wollte nicht,
dass meine Arbeiten auf ähnliche Weise betrachtet werden wie
dekorative Buddha-Köpfe im Garten oder afrikanische Elefantenfiguren
als exotischer Schmuck. Auch deshalb fühlte sich der Titel East meets
West, unter dem meine frühen Ausstellungen oft standen, für mich
eher wie ein Klischee als wie eine Beschreibung an.
Dabei bin ich mit sehr ähnlichen Bildern aufgewachsen wie viele
Deutsche meines Alters. Als ich Kind war, habe ich Disney-Filme
gesehen, Actionfilme wie Comando, Rambo geliebt und in meiner
Jugend Sophie Marceau bewundert. Mein Erwachsenwerden fiel in die
Zeit von DOS und Windows 95, mitten in den Beginn der digitalen
Welt. Unsere Jugendbilder waren also ähnlich – nur der Hintergrund
war ein anderer.

Dieser Unterschied hat mit meiner Herkunft zu tun: mit einem geteilten Land( Nord und Süd Korea), dem Militärdienst und einer Gesellschaft, in der oft das Kollektiv wichtiger ist als das Individuum. Diese Erfahrung prägt mein Denken bis heute.

Deshalb vermeide ich in meiner Malerei bewusst einfache, sofort erkennbare „koreanische“ Motive. Mich interessieren keine folkloristischen Technik. Ausgangspunkt meiner Arbeit sind vielmehr meine eigenen Erfahrungen – das Leben zwischen zwei Ländern, Kulturen und Erwartungshaltungen.

Ein wichtiger Wendepunkt war mein Studium in Deutschland, als mich ein Professor fragte: „Warum malen Sie?“ Nicht was Kunst ist, sondern warum ich male. Seitdem stehen mein eigenes Leben und meine persönliche Situation im Mittelpunkt meiner Arbeit.

Bildmotive:

Hasenmaske, Schwein und das Gewicht des Lebens, Die Hasen, denen ich im Alltag in Münster oft begegne, wurden zu Trägern meiner eigenen Gefühle. Die Hasenmaske, die in meinen Bildern Menschen tragen, steht für den Wunsch, in der deutschen Gesellschaft akzeptiert zu werden – aber auch für den Druck, sich anzupassen.

Das Schwein steht für das Gewicht des Lebens, das ich als Vater, Ehemann und Künstler trage. Obwohl es oft Wohlstand und Glück symbolisiert, wird es in meinen Bildern zur Last. Es zeigt Verantwortung, Erwartungen und Pflichten.

Das Schaf verweist auf das Spannungsfeld zwischen Religion und menschlichem Alltag. Die Motive in meinen Bildern sind keine privaten Geheimzeichen, sondern allgemein verständliche Bilder. Wenn sie gemeinsam in einem Bild erscheinen, entstehen neue Geschichten und Bedeutungen.

Ironie: Bilder der Spannung

Ich möchte das Leben weder nur traurig noch nur schön darstellen. Freude und Trauer, Schönheit und Hässlichkeit, Licht und Dunkelheit stehen in meinen Bildern nebeneinander. Diese Gegensätze erzeugen Spannung – so wie im wirklichen Leben, das selten eindeutig ist.

Künstlerische Einflüsse

Als koreanischer Mann, der sein Leben zur Hälfte in Korea und zur Hälfte in Deutschland verbracht hat, frage ich mich immer wieder, wie man die Welt betrachten kann. Die emotionale Malerei von Edvard Munch, das gesellschaftliche Engagement von Jörg Immendorff und Neo Rauchs Suche nach künstlerischer Identität nach dem Ende großer Ideologien haben meine Arbeit stark beeinflusst.

Werke